Vom FritzBox zum UniFi-Homelab: Unser Erfahrungsbericht nach 3 Jahren Umbau
Das eigene Heimnetzwerk – oder „Homelab“, wie man heute so schön sagt – stößt in Zeiten von Smart Home, Streaming und Homeoffice schnell an seine Grenzen. Genau das ist uns passiert. Nach Jahren mit einer klassischen AVM FritzBox, verschiedenen Mesh-Repeatern und Netgear-Switchen haben wir den radikalen Schritt gewagt: Der komplette Umstieg auf ein durchgängiges UniFi-Netzwerk von Ubiquiti.
In diesem Artikel nehmen wir dich mit auf unsere dreijährige Reise. Wir zeigen dir, warum wir gewechselt sind, welche Hürden wir in drei Schritten meistern mussten, was der Spaß gekostet hat und ob sich das Ganze am Ende wirklich gelohnt hat.
Warum der Wechsel? Die Probleme mit dem klassischen Setup
Vor über zehn Jahren haben wir unser Haus gebaut und damals zukunftssicher in fast jedem Raum Netzwerkdosen mit zweifacher Anbindung eingeplant. Alle Leitungen laufen zentral im Hauswirtschaftsraum (HWR) zusammen.
Als Router diente lange Zeit eine FritzBox, die neben dem WLAN auch die LAN-Verteilung und die IP-Telefonie übernahm. Dahinter hing ein großer 24-Port-Switch von Netgear. Doch das Netzwerk wuchs:
- Smart Home & IOT: Erst kam eine Homematic CCU2, dann ein Synology NAS (DS213j) und schließlich unzählige WLAN-Komponenten wie Shelly-Relais.
- WLAN-Probleme: Das Roaming zwischen den Etagen mit den AVM-Mesh-Repeatern (darunter der 1200er und 1750e) funktionierte unzuverlässig. Es kam regelmäßig zu Verbindungsabbrüchen.
- Client-Limit: Die schiere Anzahl an gleichzeitigen WLAN-Geräten brachte das FritzBox-WLAN spürbar an seine Grenzen.

Unsere Ziele für den Umbau waren daher klar definiert: Bessere WLAN-Performance, erhöhte Sicherheit durch getrennte Netzwerke (VLANs) und eine zentrale Administration über eine einzige Software.
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Der Umbau in 3 Schritten: Vom ersten Access Point zum UniFi-Imperium
Ein solches Projekt setzt man nicht an einem Wochenende um. Insgesamt hat uns der Prozess über drei Jahre begleitet – auch, weil wir Schritt für Schritt vorgegangen sind.
Schritt 1: Mesh-Repeater raus, UniFi Access Points rein
Im ersten Schritt flogen die AVM-Repeater raus. Stattdessen haben wir eine solide WLAN-Infrastruktur mit UniFi Access Points (APs) aufgebaut. Unsere aktuelle Konfiguration sieht wie folgt aus:
Dachgeschoss: 1x UniFi U6 Long-Range (U6-LR), per LAN angebunden.
Erdgeschoss: 1x UniFi U6 Lite (per LAN) und 1x U6 Lite (per Mesh).
Obergeschoss: 1x UniFi U6 Lite (per Mesh gekoppelt).
Außenbereich/Garten: 2x UAP-AC-M (die bekannten „Maikäfer“), einer per LAN, einer per Mesh.

Hürde bei Schritt 1: Die UniFi Controller-Software läuft nicht direkt auf den APs. Wir mussten den Controller daher selbst hosten. Da unser altes NAS das nicht schaffte, läuft die Software heute performant in einem Docker-Container auf unserem neuen Server. Zudem war die Software vor drei Jahren noch recht zickig und die Durchdringung unserer Kalksandsteinwände forderte uns einiges an Ausprobieren und Umpositionieren ab.
Schritt 2: Einbindung des Gateways (UXG Lite) & VLAN-Struktur
Mit der FritzBox lässt sich sicherheitstechnisch leider nur ein einziges Hauptnetzwerk und ein Gastnetzwerk realisieren. Bei über 30 IOT- und Smart-Home-Geräten, bei denen man nie genau weiß, wohin sie funken, ist das ein Sicherheitsrisiko. Wir wollten ein separates IOT-Netzwerk und den PC unseres Sohnes vom restlichen LAN trennen.

Dafür kam das UniFi UXG Lite Gateway als VLAN-fähiger Router zum Einsatz. Zuerst haben wir das Gateway hinter der FritzBox betrieben, um alle VLANs und IP-Adressen in Ruhe zu konfigurieren.
Achtung Stolperfalle bei Deutsche Glasfaser!
Als wir die FritzBox komplett abklemmen und das UXG Lite direkt an den ONT (Glasfaser-Modem) hängen wollten, bekamen wir keine IP-Adresse. Der Grund: Deutsche Glasfaser merkt sich die MAC-Adresse des Routers. Erst nach einer „Gedenkstunde“ (ca. 60 Minuten) ohne angeschlossenes Gerät am ONT wird die alte MAC-Adresse gelöscht, und das neue Gateway bekommt eine IP.
Da wir nun keine native IPv4-Adresse mehr von Deutsche Glasfaser haben, läuft der Fernzugriff über IPv6. Die FritzBox wurde im letzten Schritt als reiner IP-Client hinter das Gateway gehängt und kümmert sich seitdem nur noch um die Voice-over-IP (VoIP) Telefonie.
Schritt 3: Der Tausch der Switche für das „Single Pane of Glass“
Die Verwaltung von VLANs (getaggt/ungetaggt) über die Weboberfläche von Netgear-Switchen war extrem umständlich. Man musste permanent zwischen Tabs hin- und herspringen und alles akribisch in einer Excel-Tabelle dokumentieren.
Deshalb haben wir im dritten Schritt auch die Switche gegen UniFi-Komponenten getauscht:
- Central im HWR arbeiten jetzt ein USW-16-PoE-Lite und ein USW-8-PoE-Lite. (Ein einzelner 24-Port-Switch von UniFi passte aufgrund des 19-Zoll-Standardmaßes schlichtweg nicht in unsere Wandnische).
- In den einzelnen Räumen (z.B. im Büro) haben wir insgesamt fünf USW-Flex-Mini Switche verteilt. Diese werden praktisch per Power-over-Ethernet (PoE) direkt über die Hauptswitche mit Strom versorgt – keine nervigen Netzteile mehr an den Steckdosen!

Kosten und Aufwand: Was kostet das UniFi-Setup?
UniFi ist bekanntlich kein „Cheap Charlie“. Für die gesamte Hardware inklusive notwendigem Zubehör haben wir rund 1.500 Euro investiert.
| Komponente | Anzahl | Ungefähre Kosten (inkl. Zubehör) |
| UniFi UXG Lite Gateway | 1 | ca. 150 € |
| UniFi Access Points (U6-LR, U6-Lite, UAP-AC-M) | 6 | ca. 800 € |
| UniFi Switche (16-PoE, 8-PoE, 5x Flex Mini) | 7 | ca. 550 € |
| Gesamtkosten | ca. 1.500 € |
Hinweis: In den Kosten sind auch PoE-Injektoren (für die gemaschten APs ohne LAN-Anschluss) sowie spezielle 3D-Druck-Wandhalterungen für das Gateway und die Flex-Minis enthalten.
Die Kehrseite der Medaille: Wo UniFi schwächelt (Nachteile)
Wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Auch wenn wir das System lieben, gibt es drei Punkte, die uns massiv stören:
- Fehlender IPv6-Support für WireGuard VPN: Das UniFi-Gateway kann zwar VPN-Netzwerke wie WireGuard aufbauen, unterstützt dabei aber aktuell kein IPv6. An einem Glasfaseranschluss ist das unbrauchbar. Wir mussten daher zusätzlich einen Raspberry Pi als dedizierten WireGuard-VPN-Server an die Wand hängen. Hier hoffen wir dringend auf ein Firmware-Update.
- Komponentenverlust bei Controller-Updates: Nach Updates der Controller-Software kam es schon vor, dass Access Points oder Switche plötzlich die Verbindung verloren. Manchmal half ein Neustart, manchmal mussten wir die Geräte per Werksreset komplett neu anlernen.
- Ungünstige Reset-Knöpfe: Wenn man die Access Points (wie den U6 Lite) zurücksetzen muss, befindet sich der Reset-Knopf auf der Rückseite, die auf der Wand- oder Deckenhalterung aufliegt. Man muss das Gerät also jedes Mal mühsam von der Decke montieren.
Das große Plus: Warum sich der Umstieg gelohnt hat (Vorteile)
Trotz der Hürden überwiegen die Vorteile für unser großes Netzwerk (wir sprechen hier immerhin von ca. 50 kabelgebundenen LAN-Clients und knapp 30 WLAN-Clients):
- Stabilität & Performance: Das Roaming funktioniert tadellos. Keine Abbrüche mehr im ganzen Haus.
- Zentrale Administration: Die Steuerung über eine einzige Software macht einfach Spaß. Traffic-Regeln, Applikationskontrollen und Netzwerktrennungen lassen sich zentral und professionell steuern. Das ist echtes Profi-Equipment für den Heimanwender.
- Visuelle Topologie: Die grafische Darstellung des Netzwerks im Controller zeigt genau an, welcher Client an welchem Port oder Access Point hängt. Ein geniales Feature für Technik-Nerds.

Fazit: Würden wir es wieder tun?
Definitiv ja! Der Umstieg von AVM FritzBox auf UniFi war weder günstig noch unkompliziert. Es gab Momente, da wollte ich sprichwörtlich „die Brocken hinwerfen“. Aber jetzt, wo das System läuft, ist es an Stabilität und Funktionalität kaum zu übertreffen.
Wenn du ein kleines, unkompliziertes Netzwerk suchst, bist du bei AVM super aufgehoben. Wenn du aber ein echtes, sicheres Homelab mit voller Kontrolle über deine IOT-Geräte aufbauen willst, führt kaum ein Weg an UniFi vorbei.
Wie sieht es bei dir aus? Planst du auch gerade den Umstieg oder steckst mitten im Umbau? Schreib mir deine Fragen und Erfahrungen gerne unten in die Kommentare! Wenn dir dieser Erfahrungsbericht geholfen hat, lass mir gerne ein Abo für den Kanal Haus und Technik da.
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