PV-Überschussladen: Intelligent laden mit evcc und ioBroker

Heute widmen wir uns einem echten Lieblingsthema aller Solaranlagen-Besitzer: dem PV-Überschussladen. Warum den wertvollen Strom vom eigenen Dach für wenige Cent an den Netzanbieter verschenken, wenn man damit das eigene E-Fahrzeug fast kostenlos betanken kann?

In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie der technische Aufbau aussieht, warum die Software evcc der absolute Gamechanger für intelligentes Laden ist und wie du das Ganze perfekt in ioBroker visualisierst.

Der technische Aufbau: Unsere Anlagenkonstellation

Damit das Überschussladen reibungslos funktioniert, müssen die Komponenten auf dem Dach, im Keller und an der Wand Hand in Hand arbeiten. Bei unserem Setup sieht das wie folgt aus:

  • PV-Anlage: 10,3 kWp auf dem Haus- und Garagendach (Südausrichtung).
  • Wechselrichter: Kostal Plenticore 10 kW Hybrid-Wechselrichter.
  • Stromspeicher: BYD 10,2 kWh Batteriespeicher.
  • Smartmeter: Kostal Smart Energy Meter (KSEM) – das Herzstück für die Datenmessung.
  • Wallbox: Hardybart eCharge cPµ2.

Ohne Kommunikation läuft nichts

Das Geheimnis hinter dem Überschussladen ist die Kommunikation. In unserem Fall unterhalten sich die Wallbox und das Smartmeter direkt über die orangefarbene Kommunikationsleitung. Die Wallbox weiß dadurch sekündlich: Haben wir gerade Überschuss? Wird Strom ins Netz eingespeist? Wenn ja, springt sie an.

Wichtiger Tipp für andere Setups: Wenn deine Wallbox und dein Wechselrichter sich nicht von Haus aus „verstehen“, verzweifel nicht. Es gibt sogenannte Energiekommunikationsboxen, die man als Vermittler dazwischenschalten kann.

Webinterface der Wallbox vs. evcc: Warum sich das Upgrade lohnt

Das standardmäßige Webinterface der Hardybart Wallbox tut zwar, was es soll, ist aber wenig komfortabel oder intelligent. Man sieht zwar die Ladeleistung (bei unserem Plugin-Hybrid sind das zweiphasig etwa 5,5 kW – 7,2kW im Maximum), aber eine echte Logik fehlt. Zudem lässt sich die Box nativ nur schwer in ein Smart-Home-System wie ioBroker einbinden.

Hier kommt evcc ins Spiel.

➡️Wie mein bisheriges Setup aussah und welche Einsparungen ich mit dem Überschussladen unseres PlugIn-Hybriden (PHEV) generiere dazu habe ich hier schon einen Beitrag verfasst: PV-Überschussladen: So nutzt du deinen Solarstrom perfekt fürs E-Auto!

Was ist evcc?

evcc ist eine Open-Source-Software zur herstellerunabhängigen Ladesteuerung. Wir hosten den evcc-Server selbst in einem Docker-Container (Container Manager) auf unserem Synology-NAS (Netzwerkspeicher). Die Software kostet für bestimmte geschützte Komponenten einen kleinen Beitrag (ca. 2 USD/Monat via GitHub-Sponsoring) – und das ist sie jeden Cent wert.

🔗Den Link zur evcc Homepage mit detaillierten Anweisungen und sehr guter Dokumentation findest du hier: https://evcc.io/

Die intelligenten Features von evcc im Detail

evcc bringt die nötige Logik ins System, um die Lebensdauer deiner Geräte zu schonen und den Strom optimal zu verteilen.

1. Priorisierung und Puffer-Funktion

In der Regel gilt die Priorität: Hausverbrauch vor Hausbatterie vor Auto. Was passiert aber, wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt? Normalerweise würde die Wallbox sofort abschalten. Kommt die Sonne wieder, schaltet sie an. Das Auto sagt irgendwann: „Stopp, zu viele Schaltvorgänge, ich mache jetzt 5 Minuten Pause.“

evcc löst das über einen einstellbaren Batterie-Puffer (z. B. 5 %). Sinkt der PV-Überschuss kurzzeitig, zieht evcc die Energie aus der Hausbatterie, um den Ladevorgang stabil zu halten. Verzieht sich die Wolke, wird die Batterie wieder geladen.

2. Die verschiedenen Lademodi

Über das evcc-Interface kannst du flexibel wählen, wie geladen werden soll:

  • Aus: Kein Ladevorgang.
  • PV: Reines Überschussladen. Es wird nur der Strom genutzt, der sonst ins Netz ginge.
  • Min + PV: Die Wallbox hält den Mindestladestrom des Autos (z. B. 6 Ampere bzw. ca. 2,8 kW bei zweiphasiger Ladung). Reicht der Sonnenstrom dafür nicht aus, wird der Rest aus dem Netz gezogen.
  • Schnell: Volle Pulle (bei uns 11 kW) – egal woher der Strom kommt. Ideal, wenn es mal schnell gehen muss.

Visualisierung im ioBroker

Über den passenden ioBroker-Adapter lassen sich alle Daten von evcc wunderbar in die eigene Hausautomatisierung integrieren.

In unserer Ansicht PV-Anlage Wallbox sehen wir auf einen Blick alle relevanten Informationen:

  • Den gewählten Lademodus
  • Die aktuellen Ladeströme aller 3 Phasen (sofern verwendet)
  • Die schon geladenen Energiemenge
  • Alle Einstellungen des Batteriemodus (Priorisierungen auf Fahrzeug oder Haus)
  • Die aktuelle PV-Erzeugung (inklusive unserem kleinen Balkonkraftwerk).
  • Den Hausverbrauch und die Netzeinspeisung bzw den Netzbezug.
  • Den genauen Ladezustand des Autos.

…und das Ganze wird auch noch Anhand des Kurvenverlaufes dargestellt.

Über die selbstgebaute VIS-Oberfläche können wir die Lademodi (PV, Min+PV, Schnell) direkt ansteuern, ohne die evcc-Oberfläche öffnen zu müssen. Einziges kleines Manko: Komplexe Einstellungen, wie das Ändern des Batterie-Puffers, müssen weiterhin im evcc-Interface selbst vorgenommen werden, da ioBroker hier eine kurze Latenz (Verzögerung) bei der Rückkopplung hat.

Unterwegs alles im Griff: Zugriff per Smartphone

Die evcc-Oberfläche ist perfekt für Mobilgeräte optimiert. Da es sich um eine lokale Weboberfläche handelt, solltest du sie aus Sicherheitsgründen jedoch nicht einfach per Portweiterleitung ins Internet stellen.

Unsere Lösung: Wir nutzen einen WireGuard VPN-Tunnel auf dem Smartphone. Damit wählen wir uns sicher von unterwegs in unser Heimnetzwerk ein und können den Ladestatus checken oder den Modus ändern, als säßen wir am PC.

Fazit & deine Meinung

PV-Überschussladen spart bares Geld und erhöht die Eigenverbrauchsquote deiner Solaranlage massiv. Mit der Kombination aus evcc und ioBroker holst du das Maximum an Komfort und Intelligenz aus eurer Anlage heraus.

Hast du Fragen zum Setup oder möchtest du eine detaillierte Anleitung, wie man evcc in der .yaml-Datei konfiguriert und in den ioBroker einbindet? Schreib es mir unbedingt unten in die Kommentare!

📹 Das vollständige Video kannst du dir hier anschauen: 🔗Video

Gerne darfst du natürllich auch meinen YouTube Kanal ➡️ „Haus und Technik“ besuchen. Dort findest Du weitere spannende Inhalte. Ich würde mich freuen! 😊

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