PV-Überschussladen: So nutzt du deinen Solarstrom perfekt fürs E-Auto!

Wer eine eigene Photovoltaikanlage besitzt und ein Elektroauto fährt, kann von der Sonne gleich doppelt profitieren. Die PV-Anlage versorgt ohnehin das Haus mit grünem Strom und schont den Geldbeutel. Richtig lukrativ wird es jedoch, wenn du deine Eigenverbrauchsquote maximierst.

Statt den wertvollen Strom für eine geringe Einspeisevergütung an den Netzbetreiber abzugeben, solltest du ihn lieber selbst nutzen – und zwar über das sogenannte PV-Überschussladen.

Wie das funktioniert, wie unsere eigene Anlage aufgebaut ist und warum sich das Einspeisen wirtschaftlich nicht mehr lohnt, erfährst du in diesem Praxisbericht.


Was ist PV-Überschussladen überhaupt?

Beim Überschussladen leitest du die Energie deiner PV-Anlage, die aktuell weder im Haus verbraucht noch in den Heimspeicher fließen kann (weil dieser bereits voll ist), direkt in die Batterie deines Elektroautos.

Ohne diese intelligente Steuerung würde der Strom automatisch in das öffentliche Netz eingespeist werden. Da die Einspeisevergütung heutzutage relativ gering ist, lohnt sich der Eigenverbrauch wirtschaftlich deutlich mehr. Das E-Auto fungiert hierbei als ein weiterer, großer Energiespeicher für deinen alltäglichen Fahrbetrieb.


Unsere Anlagenkonstellation im Überblick

Um zu verstehen, wie das Überschussladen in der Praxis abläuft, werfen wir einen Blick auf unser Setup. Wir nutzen eine PV-Anlage mit einer Leistung von 10,3 kWp, die komplett nach Süden ausgerichtet auf dem Hausdach und der Garage installiert ist.

Die technische Ausstattung im Detail:

  • Wechselrichter: Kostal Plenticore 10 kW Hybrid-Wechselrichter
  • Messung: Kostal Smart Energy Meter (KSEM)
  • Heimspeicher: 10,2 kWh BYD HVS Hochvoltbatterie (in der Garage)
  • Wallbox: 11 kW Hardy Barth eCharge (Typ cPµ2)

Der technische Aufbau: Wer spricht mit wem?

Damit das Überschussladen reibungslos funktioniert, müssen die Komponenten über Gleichspannung (DC), Wechselspannung (AC) und Kommunikationsleitungen intelligent miteinander verknüpft sein:

  1. Die PV-Module wandeln die Sonnenenergie in Gleichstrom um.
  2. Der Hybrid-Wechselrichter wandelt diesen in Wechselstrom für das Haus um. Überschüssiger Gleichstrom wird direkt in die BYD-Batterie geleitet, wobei Wechselrichter und Speicher für den Ladeprozess permanent miteinander kommunizieren.
  3. Das Smart Meter überwacht am Netzanschlusspunkt genau, wie viel Strom das Haus verbraucht und was ins öffentliche Netz abfließt.
  4. Die Wallbox ist das entscheidende Bindeglied zum E-Auto.

Das Geheimnis des Erfolgs: Die Kommunikation

Das PV-Überschussladen steht und fällt mit der Kommunikation zwischen dem Smart Meter und der Wallbox. Die Wallbox muss zu jedem Zeitpunkt wissen, ob gerade ungenutzter Strom ins Netz fließt. Erst wenn das Smart Meter meldet: „Achtung, wir haben Überschuss!“, startet die Wallbox den Ladevorgang des Autos.

In unserem Fall kommuniziert die Hardy Barth Wallbox direkt ab Werk mit dem Kostal Smart Meter. Es ist kein zusätzlicher Energiemanager notwendig.

Hinweis für andere Systeme: Sollten deine Wallbox und dein Smart Meter nicht direkt kompatibel sein, gibt es im Handel sogenannte Energieboxen (Energiemanagementsysteme). Diese dienen als Vermittler und ermöglichen das Überschussladen trotzdem.


Die nackten Zahlen: Warum sich Einspeisen nicht mehr lohnt

Um zu verstehen, warum das PV-Überschussladen wirtschaftlich so wichtig ist, werfen wir einen Blick auf die realen Betriebsdaten unserer Anlage aus einem einjährigen Betrachtungszeitraum (Juni bis Mai).

Obwohl die Daten nicht mehr ganz aktuell sind, zeigen sie das grundlegende Problem moderner PV-Anlagen sehr deutlich:

  • Erzeugter Strom gesamt: 9.428 kWh
  • Eingespeister Strom (Netz): 5.459 kWh
  • Aktuelle Eigenverbrauchsquote: 42 %
  • Einspeisevergütung: 6,4 Cent / kWh
  • Stromgestehungskosten: ca. 13,0 Cent / kWh

Erklärung zu den Stromgestehungskosten: Das sind die realen Kosten (inkl. Investition, Abschreibung und laufenden Kosten), die uns die Erzeugung einer einzigen Kilowattstunde Strom auf dem eigenen Dach rechnerisch kostet. Unser selbstgemachter Strom kostet uns also 13 Cent pro kWh.

Der wirtschaftliche Super-GAU beim Einspeisen

Wenn wir die 5.459 kWh, die wir nicht selbst verbraucht haben, in das öffentliche Netz einspeisen, sieht die Bilanz wie folgt aus:

  • Reine Erzeugungskosten: 5.459 kWh × 13 Cent = 709,67 €
  • Erhaltene Einspeisevergütung: 5.459 kWh × 6,4 Cent = 349,38 €
  • Das bittere Ergebnis: -360,29 € Verlust

Wir machen also mit jeder Kilowattstunde, die wir an den Netzbetreiber verkaufen, ein fettes Minus. Wirtschaftlich ist das ein absoluter Fehlbetrag: Wir stellen ein Produkt her und verkaufen es für weniger Geld, als uns die Produktion gekostet hat.

Das klare Fazit lautet: Die Eigenverbrauchsquote muss definitiv nach oben! Und genau hier kommt unser Auto ins Spiel.


Der Steuer-Vorteil: Keine Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch

Ein wichtiger Punkt, den viele PV-Anlagenbetreiber kennen: Je nach steuerlichem Modell musste man in der Vergangenheit den Eigenverbrauch als Entnahme aus dem Betriebsvermögen versteuern. Wer in der Regelbesteuerung war, zahlte Umsatzsteuer auf jede selbst verbrauchte Kilowattstunde.

Bei uns fällt diese Belastung weg: Wir haben die Anlage zum Nullsteuersatz aus dem Betriebsvermögen entnommen. Seitdem sind wir für den Eigenverbrauch umsatzsteuerbefreit. Das bedeutet: Keine versteckten Zusatzkosten beim Laden! Ein weiteres starkes Argument, um die Eigenverbrauchsquote bewusst nach oben zu schrauben.


Unser Test-Fahrzeug: Ein Plug-in-Hybrid (PHEV) im Realitätscheck

Für unser Projekt nutzen wir keinen reinen Stromer (BEV), sondern einen Plug-in-Hybrid. Die Systemlogik des Überschussladens lässt sich jedoch eins zu eins auf ein reines Elektroauto übertragen. Wer ein reines E-Auto fährt, vergleicht die folgenden Zahlen einfach mit den Kosten an einer öffentlichen Schnellladesäule (z. B. 55 bis 60 Cent/kWh).

Unsere Verbrauchswerte basieren auf den echten Daten der letzten sechs Monate (ein gemittelter Mix aus Sommer und Winter):

  • Benzinpreis (Schnitt): 1,73 € / Liter
  • Verbrauch (Verbrenner): ca. 10,0 Liter / 100 km (je nach Saison zwischen 8 und 12 Litern)
  • Verbrauch (Elektrisch): ca. 30,0 kWh / 100 km

Hinweis zum Elektro-Verbrauch: 30 kWh auf 100 km klingen viel – und reine E-Autos schaffen das oft deutlich sparsamer. Das ist jedoch die Realität unseres Hybrids: Im Sommer schaffen wir manchmal 24 kWh, im kalten Winter schnellt der Wert hoch auf kernige 34 kWh.


Kostenvergleich: Verbrenner vs. PV-Überschussladen

Lohnt sich das elektrische Fahren mit eigenem Solarstrom trotz des hohen Verbrauchs unseres Hybrids? Rechnen wir die Kosten für 100 gefahrene Kilometer direkt gegeneinander auf:

Variante A: Rein konventioneller Fahrbetrieb (Benzin)

Bei einem Verbrauch von 10 Litern und einem Benzinpreis von 1,73 € kosten uns 100 Kilometer:

  • Kosten: 17,30 €

Variante B: Rein elektrischer Fahrbetrieb (PV-Überschuss)

Wir laden das Auto mit unserem „Überschussstrom“ zu den eigenen Erzeugungskosten von 13 Cent pro kWh. Die Anschaffung unserer Wallbox müssen wir hierbei nicht einberechnen, da sie durch Förderprogramme fast vollständig bezahlt wurde und nur rund 26 € Eigenanteil anfielen. Bei einem Verbrauch von 30 kWh kosten uns 100 Kilometer:

  • Berechnung: 30 kWh × 13 Cent = 3,90 €
  • Kosten: 3,90 €

Das Ergebnis

  • Ersparnis pro 100 km: 13,40 €

Die Detail-Rechnung: Wie entstehen 45 Cent Gewinn pro Kilowattstunde?

Schauen wir uns an, wie sich die Ersparnis pro gefahrener Kilowattstunde zusammensetzt. Auf den ersten Blick wirkt die Rechnung komplex, aber der finanzielle Vorteil ist massiv:

  1. Die Basis-Ersparnis beim Fahren: Unsere Ersparnis im Vergleich zum reinen Benzinbetrieb liegt bei 13,40 € pro 100 km. Rechnet man dies auf die 30 kWh um, die das Auto für diese Strecke benötigt, sparen wir rein rechnerisch 38 Cent pro Kilowattstunde gegenüber dem Verbrenner.
  2. Der Gegenrechnungs-Effekt: Wenn wir den Strom ins Auto laden, verzichten wir gleichzeitig auf die Einspeisevergütung von 6,4 Cent.
  3. Die Verlust-Vermeidung: Wie vorab berechnet, machen wir beim Einspeisen pro Kilowattstunde eigentlich 6,6 Cent Verlust gegenüber unseren Gestehungskosten (13 Cent Kosten minus 6,4 Cent Vergütung).

Wenn wir diesen vermiedenen Verlust (6,6 Cent) und den positiven Fahrtwind-Vorteil (38 Cent minus der entgangenen 6,4 Cent Vergütung) zusammenrechnen, ergibt sich das finale Ergebnis:

  • Dein finanzieller Vorteil: ca. 45 Cent Gewinn für jede Kilowattstunde, die du über das PV-Überschussladen im Auto nutzt, statt sie einzuspeisen.

Realistischer Jahresertrag: Was bringt es im Alltag?

Wir wollen uns die Zahlen nicht schönrechnen. Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts (2022) zeigt, dass privat genutzte Plug-in-Hybride im Schnitt einen rein elektrischen Fahranteil von 45 % bis 49 % der jährlichen Fahrleistung haben.

Für unsere Kalkulation setzen wir bewusst konservativer an:

  • Jährliche Fahrleistung: 10.000 bis 15.000 km
  • Angenommener elektrischer Anteil: 40 %
  • Elektrische Fahrleistung: ca. 4.000 km pro Jahr

Die jährliche Ersparnis auf einen Blick

Bei einer Fahrleistung von 4.000 km und einem Verbrauch von 30 kWh benötigen wir 1.200 kWh Strom pro Jahr für das Auto.

  • Berechnung: 1.200 kWh × 45 Cent Ersparnis = 540,00 €
  • Jährliche Ersparnis: 540,00 € bares Geld

Der Realitätscheck: Was passiert im Winter?

Damit diese Rechnung aufgeht, muss die PV-Anlage natürlich groß genug dimensioniert sein. Die benötigten 1.200 kWh Überschuss müssen über das Jahr verteilt auch wirklich vom Dach kommen. Wer eine zu kleine Anlage hat, generiert den Überschuss nur in wenigen Sommermonaten – das lässt sich nicht auf das ganze Jahr hochrechnen.

Machen wir uns nichts vor: Der Winter ist für PV-Anlagenbetreiber eine harte Nummer. Die Tage sind kurz, der Sonnenwinkel ist flach und die Peak-Leistung wird bei weitem nicht erreicht.

Selbst an schönen Wintertagen mit nur 5 bis 6 Sonnenstunden lässt sich einiges herausholen. In einer solchen Phase schaffen wir es, unseren 10,2 kWh Heimspeicher komplett zu füllen und parallel das Auto zu laden. Zwar lässt die Elektronik des Hybrids im Winter oft nur eine Teil-Ladung zu, aber das Fazit bleibt positiv: Wenn das Wetter mitspielt, funktioniert das System selbst im tiefsten Winter.


Für wen lohnt sich das System – und für wen nicht?

Ein ehrliches Wort zum Schluss: Wer bereits seit 20 Jahren eine PV-Anlage betreibt, profitiert noch von den alten, sehr hohen Einspeisevergütungen. In diesem speziellen Fall lohnt sich der technische Aufwand für ein Überschussladen meistens wirtschaftlich nicht, da der Verkauf des Stroms an den Netzbetreiber lukrativer ist.

Wer jedoch in den letzten Jahren aktiv geworden ist und eine moderne Anlage besitzt, erhält eine Einspeisevergütung im niedrigen, einstelligen Centbereich. Für diese neueren PV-Anlagenbetreiber ist das PV-Überschussladen der absolute Gamechanger, um die Rentabilität der eigenen Solaranlage massiv zu steigern.

Durch die intelligente Einbindung des Autos lässt sich die eigene Eigenverbrauchsquote von ehemals 42 % auf rund 55 % anheben. Wer ein reines E-Auto fährt, kann diesen Wert sogar noch viel weiter nach oben schrauben.


Kosten und Amortisation: Wann rechnet sich die Wallbox?

Eine Ersparnis von 540 € im Jahr ist ein solides Fundament. Doch wie sieht es aus, wenn du erst noch in eine intelligente Wallbox investieren musst?

  • Angenommene Investitionskosten (Wallbox + Installation): ca. 1.500 €
  • Jährliche Ersparnis durch Überschussladen: ca. 500 € bis 540 €
  • Amortisationszeit: ca. 3 Jahre

Nach nur rund drei Jahren hat sich die Investition in eine intelligente Wallbox bereits komplett von selbst abbezahlt. Ab diesem Zeitpunkt fährst du Jahr für Jahr pure Gewinne ein.


Fazit & Deine Meinung ist gefragt!

Das PV-Überschussladen ist keine komplizierte Spielerei, sondern eine handfeste wirtschaftliche Entscheidung. Es schützt dich vor dem Verlustgeschäft der Netzeinspeisung und macht dich unabhängiger von fossilen Kraftstoffen oder teurem Netzstrom. Wenn du eine ausreichend große PV-Anlage besitzt, solltest du die Eigenverbrauchsquote definitiv steigern.

Wie sieht es bei dir aus? Betreibst du schon PV-Überschussladen oder planst du gerade die Anschaffung einer passenden Wallbox? Welche Komponenten nutzt du?

Schreib es mir unbedingt unten in die Kommentare – ich lese jeden Beitrag und versuche, zeitnah zu antworten!

📹 Das vollständige Video kannst du dir hier anschauen: 🔗Video

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