Geschafft! Du hast Paperless-ngx installiert und blickst stolz auf die moderne, noch leere Weboberfläche auf deinem Bildschirm. Das papierlose Büro ist zum Greifen nah. Doch plötzlich tauchen die großen Fragen auf: Womit fange ich jetzt eigentlich an?
Muss ich sofort Korrespondenten anlegen? Welche Tags (Etiketten) sind sinnvoll? Und was bedeuten eigentlich Dokumententypen oder Speicherpfade?
Keine Sorge: Das Ganze ist viel logischer und einfacher, als es im ersten Moment aussieht. In dieser Anleitung zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du einen sinnvollen Start findest und dein System von Anfang an sauber strukturierst.
Die Grundeinstellungen: Erstmal durchatmen
Wenn du frisch startest, gibt es in den technischen Einstellungen oder der Konfiguration von Paperless-ngx erst einmal nichts zu tun. Du kannst beruhigt bei den Standardeinstellungen (Default-Einstellungen) bleiben. Wenn dein System später wächst, kannst du hier immer noch Feinheiten optimieren.
Brauche ich sofort eine Nutzerverwaltung?
Für dieses Start-Tutorial reicht der ganz normale Admin-Nutzer, der bei der Installation angelegt wurde, völlig aus.
Ein Tipp für später: Wenn du Paperless-ngx produktiv für die ganze Familie nutzen möchtest, kannst du eine Familiengruppe mit einzelnen Nutzern und unterschiedlichen Rechten anlegen (z. B. damit Kinder nur bestimmte Dokumente sehen). Für den Anfang starten wir aber ganz unkompliziert alleine.
Der wichtigste erste Schritt: Das Posteingangs-Tag (Inbox)
Bevor wir die allerersten Dokumente in das System hochladen, richten wir einen genialen Automatismus ein. Wir erstellen das sogenannte Posteingangs-Tag. Dieses sorgt dafür, dass neue Dokumente wie auf einem echten Schreibtisch zuerst im „Posteingang“ landen und nach der Bearbeitung dort verschwinden.
Und so richtest du es ein:

1. Das Tag (Etikett) erstellen
- Klicke im linken Menü auf Tags (Etiketten) und dann auf Neu erstellen.
- Nenne das Tag entweder „Inbox“ oder „Posteingang“ (das ist reine Geschmackssache).
- Wähle eine auffällige Farbe aus, zum Beispiel ein schönes, helles gelb. So sticht es dir später sofort ins Auge.
- Ganz wichtig: Setze unbedingt den Haken bei der Option „Posteingangstag“. Nur so weiß Paperless-ngx, dass dieses Tag eine Sonderfunktion hat.
- Klicke auf Speichern.
2. Den Lösch-Automatismus aktivieren
Jetzt sagen wir dem System, dass dieses gelbe Etikett automatisch verschwinden soll, sobald wir ein Dokument geprüft und einsortiert haben.
- Gehe im Menü auf die Einstellungen.
- Suche den Bereich Dokumentenbearbeitung.
- Setze einen Haken bei: „Posteingangstag beim Speichern automatisch entfernen“.
- Klicke ganz unten auf Speichern.
Was haben wir damit erreicht? Jedes Mal, wenn du ab jetzt ein Dokument hochlädst, bekommt es automatisch das gelbe „Inbox“-Etikett. Sobald du das Dokument öffnest, den Absender einträgst und auf Speichern klickst, fliegt das gelbe Etikett von alleine runter. Das Dokument gilt als erledigt. So bleibt dein digitaler Posteingang immer perfekt aufgeräumt!
Die ersten Dokumente hochladen
Jetzt wird es spannend! Unser System ist bereit für die ersten Papierstapel. Für den Start reichen zwei oder drei Test-Dokumente (z. B. eine alte Rechnung oder ein Info-Schreiben).
Gehe zurück auf die Startseite von Paperless-ngx. Du kannst deine Test-Dateien jetzt ganz einfach per Drag-and-Drop (also mit der Maus festhalten und hineinziehen) in das Upload-Feld bewegen.
Das System beginnt sofort mit der Arbeit: Die Dateien werden hochgeladen, der Text wird im Hintergrund gelesen (OCR-Erkennung) und die Dokumente landen mit unserem nagelneuen, gelben Inbox-Tag in deiner Übersicht.
Schritt-für-Schritt: Dein erstes Dokument richtig bearbeiten
Sobald Paperless-ngx deine Testdateien verarbeitet hat, siehst du sie in der Dokumenten-Übersicht. Klicke auf das erste Dokument, um es zu bearbeiten.
Oben findest du verschiedene Reiter (Tabs):
- Details: Hier verwaltest du Namen, Datum und Kategorien.
- Inhalt: Hier siehst du den Text, den Paperless-ngx automatisch aus dem Dokument herausgelesen hat. Dank dieser Texterkennung (OCR) kannst du deine Dokumente später blitzschnell über die Suchleiste wiederfinden.
- Metadaten & Notizen: Hier siehst du technische Infos (z. B. wann die Datei hochgeladen wurde) oder kannst eigene Notizen hinzufügen. Für den Start kannst du diesen Bereich erst einmal ignorieren.
1. Einen aussagekräftigen Titel vergeben
Wenn du ein Dokument hochlädst, hat es oft noch den ursprünglichen Namen (z. B. Muster-Dokument-2.pdf oder eine kryptische Zahlenfolge vom Scanner).

Mein dringender Rat: Vergib immer einen klaren, verständlichen Titel (z. B. „Bescheid über Teppichmustersteuer“).
Warum ist das so wichtig? Falls Paperless-ngx aus irgendeinem Grund einmal nicht läuft und du direkt über den Computer auf deine Dateien zugreifen musst, erkennst du am Titel sofort, worum es sich handelt. Ohne ordentlichen Namen bist du in deinem eigenen Archiv schnell verloren.
2. Den ersten Korrespondenten anlegen
Der Korrespondent ist der Absender oder Empfänger des Dokuments. In unserem Beispiel ist das das Finanzamt. Da wir noch ganz neu starten, ist die Liste natürlich noch leer. Wir legen den Korrespondenten also direkt neu an:

- Klicke auf das Feld Korrespondent.
- Tippe den Namen ein (z. B.
Finanzamt) und klicke auf Element hinzufügen. - Es öffnet sich ein neues Fenster mit dem Punkt Zuweisungsalgorithmus.
- Wähle für den Anfang die Option „Automatisch erlernen“.
Paperless-ngx ist schlau: Wenn du diese Option wählst, lernt das System mit der Zeit selbstständig dazu. Sieht ein neues Dokument so ähnlich aus wie das vom Finanzamt, schlägt das Programm den Absender in Zukunft automatisch vor!
Tipp für Fortgeschrittene: Du kannst später auch einstellen, dass ein Korrespondent immer dann gewählt wird, wenn ein ganz bestimmtes Wort (wie deine Steuernummer) im Text auftaucht.
3. Den passenden Dokumententyp bestimmen
Der Dokumententyp beschreibt die Art des Dokuments. Handelt es sich um eine Rechnung, einen Vertrag, eine Quittung oder einen Bescheid?

In unserem Beispiel tippen wir einfach Bescheid ein und legen diesen Typ neu an.
Wichtiger Anfänger-Fehler vermeiden: Halte die Liste der Dokumententypen so allgemein wie möglich. Erstelle keine ellenlangen, super-spezifischen Listen (wie „Bescheid Finanzamt“, „Bescheid Versicherung“ etc.). Wenn deine Auswahlliste im Alltag zu lang wird, verlierst du den Überblick und das Einsortieren dauert viel zu lange. Weniger ist hier definitiv mehr!
Der Blick hinter die Kulissen: Warum Standard-Dateinamen ein Problem sind
Wenn wir jetzt auf Speichern klicken, ist unser Dokument zwar in der Weboberfläche von Paperless-ngx wunderschön sortiert – aber wie sieht es auf der Festplatte deines Servers oder Computers aus?

Wenn wir einen Blick in den Hintergrund (z. B. in die File Station deines NAS oder Servers) werfen, sehen wir, dass Paperless-ngx alle Dokumente im Ordner media/documents ablegt. Dort gibt es Unterordner wie originals (deine unveränderten Original-Dateien) und archive.
Das Problem: Standardmäßig benennt Paperless-ngx die Dateien einfach stumpf nach Nummern (z. B. 0000006.pdf, 0000007.pdf).
Wenn du jemals ein Backup machst oder ohne die Paperless-Oberfläche nach einer Rechnung suchst, hast du anhand dieser Nummern keine Chance, das richtige Dokument zu finden. Genau an dieser Stelle kommen die sogenannten Speicherpfade ins Spiel
Schritt 4: Das Chaos auf der Festplatte beenden (Speicherpfade einrichten)
So und die gerade gezeigten kryptischen Dateinummern im Hintergrund von Paperless-ngx – die ändern wir jetzt! Wir richten einen Speicherpfad ein, der deine PDFs auf der Festplatte automatisch in eine logische Ordnerstruktur einsortiert.

- Klicke bei einem Dokument neben dem Feld Speicherpfad auf das Plus-Zeichen (+).
- Vergib einen Namen für diesen Pfad (z. B.
FinanzamtoderSteuern).
Paperless-ngx nutzt für die automatische Benennung sogenannte Platzhalter (Syntax). Wenn wir dem System folgenden Befehl geben, baut es uns die perfekte Struktur:
steuern/{created_year}/{correspondent}/{title}
- Was bedeutet das? Paperless-ngx erstellt auf deiner Festplatte automatisch einen Hauptordner namens „steuern“. Darin wird für jedes Jahr (z. B. „2023“) ein Unterordner angelegt. In diesem Ordner landet das PDF, ordentlich benannt nach dem Absender (Finanzamt) und dem vergebenen Titel.
Klicke auf Speichern. Sobald du das Dokument jetzt endgültig speicherst, verschwindet das grüne „Inbox“-Etikett und im Hintergrund deines Servers existiert plötzlich eine perfekt strukturierte, für dich jederzeit lesbare Ordnerstruktur!
Passende Hardware für das papierlose Büro:
Paperless-ngx läuft bei mir seit mittlerweile mehr als einem Jahr als Container Anwendung auf einem Synology NAS. Die Einrichtung im Container Manager auf Synology DSM ist denkbar einfach und geht relativ schnell von der Hand. Ob Dein Synology NAS kompatibel ist um Paperless-ngx im Container Manager laufen zu lassen kannst Du unter folgendem Link prüfen: 🔗Synology Support

Synology DS225+ Diskstation NAS
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Trick für den Alltag: Das „To-Do“-Tag für unklare Dokumente
Was passiert, wenn du ein Dokument bearbeitest, dir aber bei einigen Details noch unsicher bist? Zum Beispiel bei einer Rechnung über Teppichmuster: Der Dokumententyp „Rechnung“ ist klar, aber du weißt noch nicht, in welchen Speicherpfad das Dokument gehört.
Wenn du jetzt einfach auf Speichern klickst, verschwindet das Dokument aus deinem Posteingang. Du läufst Gefahr, es schlichtweg zu vergessen.

Die Lösung: Erstelle ein „To-Do“-Tag!
- Erstelle ein neues Tag mit dem Namen „To-Do“.
- Wähle eine auffällige Farbe (z. B. ein kräftiges Orange).
- Weise dieses Tag dem unklaren Dokument zu.
Wenn du nun auf Speichern klickst, ist das Dokument zwar aus der Inbox (dem Posteingang) verschwunden, bleibt aber im System unübersehbar mit dem „To-Do“-Sticker markiert. Du kannst es später ganz in Ruhe fertig bearbeiten, sobald du die fehlenden Infos hast.
Genauso gehst du vor, wenn du zum Beispiel einen Versicherungsverlauf der Musterversicherung hochlädst: Lege den Korrespondenten („Musterversicherung“) an, erstelle den Dokumententyp „Information“, packe den „To-Do“-Sticker drauf und kümmere dich später um den perfekten Speicherpfad!
Fazit: Dein digitales Archiv wächst mit
Aller Anfang ist schwer? Von wegen! Wie du siehst, ist der Start mit Paperless-ngx absolut logisch. Mit einem cleveren Posteingangs-Tag, klaren Korrespondenten, allgemeinen Dokumententypen und automatischen Speicherpfaden hast du das perfekte Fundament für dein papierloses Büro gelegt.
Mein Rat für dich: Übertreibe es am Anfang nicht mit zu vielen verschiedenen Kategorien. Halte dein System schlank. Es lernt mit jedem Dokument dazu!
Wie sieht dein digitaler Posteingang aus? Hast du dein System schon eingerichtet oder steckst du noch mitten in der Planung? Schreib mir deine Fragen oder deine nützlichsten Tags gerne direkt unten in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch mit dir!
📹 Das vollständige Video kannst du dir hier anschauen: 🔗 Video
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