Wer eine Photovoltaikanlage plant, bekommt meistens zu hören: „Blos nicht das Norddach belegen, das bringt doch nichts!“ Doch stimmt das wirklich? Unsere im letzten Winter installierte Norddachanlage musste im Sommer ihre absolute Feuertaufe bestehen.
In diesem Artikel teilen wir unsere echten Ertrags- und Leistungsdaten aus dem Kostal Solarportal und vergleichen die Nordseite direkt mit unserer ertragsstarken Südanlage. Das Ergebnis hat uns selbst überrascht!
Das Setup: 10,9 kWp auf der Nordseite
Bevor wir in die Zahlen eintauchen, ein kurzer Blick auf unsere technische Ausstattung:
- Module: 24x Jinko Neostar 2S Plus (je 455 Wp)
- Gesamtleistung Nordseite: 10,9 kWp
- Wechselrichter: Kostal Plenticore Plus 10 kW (Generation 2)
- Inbetriebnahme: Ende 2024


Kostal Plenticore Plus 7.0
Prognose vs. Realität: Was bringt das Norddach wirklich?
Für die Auswertung haben wir den Zeitraum vom 1. April bis zum 30. August unter die Lupe genommen. Um zu sehen, ob die Anlage die theoretischen Erwartungen erfüllt, haben wir die realen Daten mit der PVGIS-Prognose verglichen:

| Monat | PVGIS Prognose | Reale Erträge (Kostal Portal) | Fazit |
| April | Prognostiziert | Leicht unter Erwartung | – |
| Juni | 975 kWh | 999 kWh | Ziel übertroffen! |
| Juli/Aug | Prognostiziert | Leicht unter Erwartung | – |
Das Zwischenfazit: Die Realität passt erstaunlich gut zur Planung. Im Juni konnten wir die Prognose sogar leicht übertreffen.
➡️Was wir im Vorfeld von der Norddach PV Anlage erwartet haben und welche Einsparungen wir prognostiziert hatten habe ich in diesem Beitrag beschrieben: 🔗PV-Erweiterung auf dem Norddach: Verrückt oder genial?
Der absolute Rekordtag der Nordseite
Der ertragsstärkste Einzeltag für unser Norddach war der 11. Juni. An diesem Hochsommertag zeigte sich das volle Potenzial der Nordbelegung:
- Tagesertrag Norddach: 42 kWh
- Maximale Peak-Leistung: 3,98 kW
Wichtige Erkenntnis zum Leistungsverlauf: Die Leistungskurve auf dem Norddach ist an solchen Tagen nicht gleichmäßig rund wie im Süden. Sie ist eher zackig und der Maximalwert von knapp 4 kW war nur ein kurzer, einmaliger Peak.
Faustformel für die Wechselrichter-Auslegung auf Norddächern
Da unsere Nordseite bei einer Modulleistung von 10,9 kWp in der Spitze nur knapp 4 kW Leistung abgegeben hat, ist unser 10 kW Wechselrichter im reinen Nord-Betrieb überdimensioniert. Als goldene Daumenregel für die Planung gilt:
$$\text{Wechselrichter-Leistung (kW)} \approx 50\% \text{ der installierten Modulleistung (kWp)}$$
Bei einer reinen Norddachanlage reichen also ca. 50 % der kWp-Leistung als Wechselrichter-Dimensionierung völlig aus.
Norddach vs. Süddach: Der direkte Vergleich
Spannend wird es, wenn wir den besten Tag des Norddachs (11. Juni) mit dem besten Tag des Süddachs (13. Mai – mit über 69 kWh Ertrag) vergleichen.
Dabei fällt eine verblüffende Anomalie auf: Perfekter Sonnenschein sorgt nicht automatisch für den höchsten Gesamtertrag der Gesamtanlage!
- Am besten „Süddach-Tag“ brachte die Nordseite aufgrund des steilen Sonnenwinkels erstaunlich wenig.
- Am besten „Norddach-Tag“ büßte das Süddach zwar 5 kWh ein, aber das Norddach legte so massiv zu (+14 kWh), dass der Gesamtertrag der Anlage mit 106 kWh deutlich höher lag als am Top-Tag der Südseite (96 kWh).
Das absolute Maximum: Der 20. Juni
Der beste Tag für die Gesamtanlage war der 20. Juni mit stolzen 107 kWh Gesamtertrag (67 kWh Süd / 40 kWh Nord). Hier stimmte das Zusammenspiel aus optimaler Sonnenscheindauer und perfekten Temperaturen.
Was passiert bei schlechtem Wetter und im Frühjahr?
1. Der schlechteste Tag (24. April)
An einem komplett verregneten oder bewölkten Tag ist die Ausrichtung fast vollkommen egal. Die Anlage produzierte insgesamt nur 17 kWh – aufgeteilt in 9 kWh (Süd) und 8,3 kWh (Nord). Bei diffusem Licht zählt rein die Fläche, nicht die Himmelsrichtung.
2. Das Phänomen der Temperatur im Frühjahr (6. April)
Am 6. April schaffte das Süddach einen Spitzenwert von 9,8 kW Leistung – fast das absolute Jahresmaximum. Warum? Weil es Anfang April noch kühl war. Photovoltaik-Module arbeiten bei kalten Temperaturen deutlich effizienter. Das Norddach war zu diesem Zeitpunkt bei tiefstehender Sonne allerdings fast komplett abgemeldet und steuerte nur 7 kWh bei.
Fazit: Lohnt sich ein PV Norddach?
Unser Sommer-Realitätscheck zeigt: Ja, ein Norddach lohnt sich definitv, sofern die Dachneigung nicht zu steil ist und man die Anlage als Ergänzung versteht. Besonders an langen Junitagen, wenn die Sonne hoch steht, liefert die Nordseite beachtliche Erträge (bis zu 40 kWh am Tag) und schiebt den Gesamtertrag des Hauses in ungeahnte Höhen. Zudem fängt das Norddach bei diffusem Wolkenwetter genauso viel Licht ein wie die Südseite.
Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr euer Norddach auch belegt oder plant ihr es gerade? Welche Erfahrungen habt ihr mit der Wechselrichter-Auslegung gemacht? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!
📹 Das vollständige Video kannst du dir hier anschauen: 🔗Video
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