Parallelschaltung von 2 Wechselrichtern und Überschussladen in einen Speicher

Zwei PV-Wechselrichter parallelschalten und AC-Überschuss effektiv in den Speicher laden

Zwei PV-Wechselrichter parallelschalten und AC-Überschuss effektiv in den Speicher laden

Wer seine bestehende Photovoltaikanlage erweitert – beispielsweise durch ein zusätzliches Norddach oder eine Garagenbelegung –, steht schnell vor einer technischen Herausforderung: Wie arbeiten zwei oder mehr Wechselrichter optimal zusammen? Und vor allem: Wie lässt sich der überschüssige Strom der neuen Anlage in den bereits vorhandenen Batteriespeicher der alten Anlage leiten?

In diesem Beitrag erfährst du am Praxisbeispiel unserer erweiterten Kostal-Anlage mit BYD-Speicher, wie das Wechselrichter-Parallelschalten funktioniert, welche Hardware-Voraussetzungen nötig sind und welche Software-Parameter gesetzt werden müssen.

Warum macht der Parallelbetrieb überhaupt Sinn?

Im Sommer, wenn die Sonne senkrecht steht, liefert uns die Hauptanlage (auf dem Süddach) oft schon genug Energie, um das Haus zu versorgen und den Speicher komplett zu füllen. Hier limitiert meist schon die maximale Ladeleistung der Batterie.

💡Wenn dich die relevanten Kenngrößen von Batteriespeichern interesseieren und welchen Einfluß diese auf deine Autarkie haben dann schau dir diesen Beitrag an: PV-Speicher richtig auslegen: Warum Lade- und Entladeleistung wichtiger sind als die reine Kapazität

Interessant wird es dagegen im Winter, bei diffusem Licht oder in den Übergangszeiten:

  • Das Süddach liefert noch nicht genug Energie, um den Speicher zu laden.
  • Das neue Norddach erzeugt durch diffuses Licht ebenfalls Strom (AC-Überschuss).
  • Anstatt diesen Strom nun einfach für eine geringe Einspeisevergütung ins Netz abzugeben, nutzen wir das lokale AC-Überschussladen, um die Energie direkt in den Speicher zu schieben.

Die Hardware-Basis: Smartmeter als Dirigent

Um zwei Wechselrichter parallel zu betreiben, ist die Hardware-Verkabelung überraschend trivial. Wichtig ist jedoch ein zentrales Gehirn in der Hausverteilung: das Smartmeter.

In unserem Praxisbeispiel sieht der Aufbau wie folgt aus:

  • (2) Hybrid-Wechselrichter A (Süddach): Ist DC-seitig mit den PV Modulen (1) und direkt mit dem (3) Batteriespeicher (z. B. BYD HVS) verbunden. Er hängt ganz normal am AC-Hausnetz.
  • (2) String-Wechselrichter B (Norddach): Ist ebenfalls AC-seitig in das Hausnetz eingebunden. Ob es sich hierbei um einen reinen String-Wechselrichter oder einen als solchen konfigurierten Hybrid-Wechselrichter handelt, ist für die Logik unerheblich.
  • (4) Das Smartmeter (z. B. Kostal Smart Energy Meter – KSEM): Sitzt direkt hinter dem offiziellen Zähler des Energieversorgers. Er misst permanent, ob Strom ins Netz eingespeist oder bezogen wird.

📌 Wichtiger Hinweis zu Fremdfabrikaten: Werden Geräte des gleichen Herstellers (z. B. Kostal Plenticore) genutzt, lassen sich diese wunderbar im Smartmeter für Live-Ansichten kombinieren. Das AC-Überschussladen funktioniert prinzipiell aber auch mit Fremdfabrikaten, da der Hybrid-Wechselrichter lediglich das Signal vom Smartmeter braucht: „Achtung, wir haben Überschuss im Hausnetz, öffne den AC-Ladekanal!“

Software-Konfiguration: Die entscheidenden Parameter

Der physische Anschluss ist schnell erledigt, die eigentliche Magie passiert in der Software. Achtung: Bei vielen Herstellern (wie auch bei Kostal) können diese essentiellen Parameter im Service-Menü nur durch den zertifizierten Installateur angepasst werden.

1. Das „Go“ für das AC-Laden im Hybrid-Wechselrichter

Im Menü des Hybrid-Wechselrichters (an dem die Batterie hängt) muss unter dem Punkt Energiemanagement / Speicherung zwingend folgendes aktiviert werden:

  • „Speicherung von überschüssiger Energie aus lokaler Erzeugung“ (AC-Laden aktivieren).
  • Erst durch diesen Haken weiß der Wechselrichter, dass er auch Strom aus dem Hausnetz (den der zweite Wechselrichter dort hineindrückt) in die Batterie schieben darf.









Kostal Plenticore Plus 10 Hybrid Wechselrichter

2. Einschwingzeiten und Leistungsgradienten anpassen

Damit sich die beiden Wechselrichter nicht gegenseitig „aufschaukeln“ oder die Regelung des Smartmeters träge wird, müssen in beiden Geräten die Netzparameter abgeglichen werden:

  • Die Einschwingzeit (in Sekunden) sowie die Leistungsgradienten müssen identisch konfiguriert werden. Nur so reagieren beide Geräte synchron auf Lastwechsel im Haus.













BYD Battery-Box Premium HVS

Das Problem mit den Hersteller-Portalen (und die ioBroker-Lösung)

Wer mehrere Wechselrichter zusammenschaltet, stellt schnell fest: Die Einzelgeräte sehen in ihren lokalen Weboberflächen meist nur sich selbst. Für eine kumulierte Gesamtdarstellung verweisen Hersteller gern auf ihre Online-Solarportale.

In der Praxis kämpfen diese Portale jedoch leider immer wieder mit massiven Datenkonsistenz-Problemen wie falsch zugeordneten Eigenverbrauchswerten und vernachlässigung von Einspeisedaten.

Die Profilösung: Wer eine verlässliche und sekundenschnelle Visualisierung sucht, bindet die Wechselrichter und das Smartmeter via Modbus in ein lokales Smart-Home-System wie ioBroker oder Home Assistant ein. Hier laufen alle Datenströme fehlerfrei zusammen, und man behält die volle Kontrolle über die eigene Datenhaltung.

Fazit: Wechselrichter parallelschalten ist kein Hexenwerk

Wenn die Option des AC-Überschussladens im Hybrid-Wechselrichter aktiviert ist und die Regelparameter sauber eingestellt sind, ist der Parallelbetrieb von zwei Wechselrichtern eine absolut lohnende Sache – besonders, um in den dunkleren Monaten das Maximum aus der Nord- oder Garagenerweiterung herauszuholen.

Hast du Fragen zur Parametrierung oder nutzt du ein anderes System für deine Visualisierung? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

📹 Das vollständige Video kannst du dir hier anschauen: 🔗 Video

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