1 Jahr PV Norddach im Test: Reale Erträge & die ehrliche Jahresbilanz!

Wer über die Belegung einer reinen Nordseite mit Photovoltaik nachdenkt, stößt in Fachforen schnell auf hitzige Diskussionen. Häufig wird die Nordbelegung pauschal als unwirtschaftlich abgetan. Doch wie verhält sich eine solche Anlage über ein volles Betriebsjahr hinweg im realen Praxisbetrieb?

Unsere 10,9 kWp Norddachanlage hat nun ihr erstes komplettes Kalenderjahr hinter sich. In diesem Artikel ziehen wir schonungslos Bilanz: Wir vergleichen den realen Ertrag mit der PVGIS-Prognose, zeigen die echten Auswirkungen auf den Eigenverbrauch sowie die Elektromobilität und legen die finanzielle Ersparnis auf den Cent genau offen.

Der Anlagesteckbrief: Unser Setup auf dem Norddach

Zur Erinnerung hier noch einmal kurz die technischen Eckdaten unseres Setups, das als strategische Erweiterung unserer bestehenden Südanlage installiert wurde:

  • Module: 24x Jinko Neostar 2S Plus (je 455 Wp)
  • Gesamtleistung Nordseite: 10,9 kWp
  • Wechselrichter: Kostal Plenticore Plus 10 kW (Generation 2)
  • Inbetriebnahme: Ende 2024 (Betrachtungszeitraum für diesen Test: Komplettes Folgejahr)
PV Norddach Unsere Anlagenübersicht

Kostal Plenticore Plus 7.0

Prognose vs. Realität: Was liefert das Norddach im ganzen Jahr?

Vor der Installation haben wir die Anlage mit dem offiziellen europäischen Tool 🔗PVGIS simuliert. Die Prognose für unseren Standort und die Dachneigung lag bei 5.122 kWh Solarertrag pro Jahr.

Die realen Daten haben wir nun über das Kostal Solarportal ausgelesen. Das Ergebnis:

PV Norddach Prognostizierte und relae Erträge
  • PVGIS Prognose: 5.122 kWh
  • Realer Ertrag: 4.923 kWh
  • Differenz: -199 kWh (-3,94 %)

Das Fazit zur Prognose: Mit einer Abweichung von knapp unter 4 % liegt das Norddach absolut im grünen Bereich. Das Wetter variiert von Jahr zu Jahr, weshalb dieses Ergebnis zeigt: Die PVGIS-Simulation für Norddächer ist verlässlich und liefert realistische Planungswerte!

➡️Die ursprünglichen Annahmen wie sich das Norddach verhält und was wir uns von dieser Anlage erwarten inklusive Einsparungen habe ich in diesem Beitrag detailliert erläutert: 🔗PV-Erweiterung auf dem Norddach: Verrückt oder genial?

Systemeffekte: So verändert das Norddach den Hausverbrauch

Spannend wird es, wenn wir uns die gesamte Anlage (Bestandssüddach + neues Norddach) im Vorjahresvergleich ansehen. Obwohl unser Hausverbrauch durch veränderte Lebensumstände um 900 kWh anstieg, passierte beim Netzbezug Folgendes:

Metrik (Gesamtanlage)Jahr 1 (Nur Süd)Jahr 2 (Süd + Nord)Differenz
Gesamter PV-Ertrag9,20 MWh15,84 MWh+6.640 kWh
Netzeinspeisung4,00 MWh9,47 MWh+5.390 kWh
Eigenverbrauch gesamt5,12 MWh6,38 MWh+1.260 kWh
Hausverbrauch gesamt6,59 MWh7,49 MWh+900 kWh
Netzbezug1,63 MWh1,31 MWh-320 kWh
PV Norddach - So verändert das Norddach den Hausverbrauch
PV Norddach - So verändert das Norddach den Hausverbrauch

Der reine Direktverbrauch aus der PV-Anlage kletterte massiv nach oben (+1.120 kWh). Auch die Batterie profitierte: Wir konnten 110 kWh mehr Energie aus dem Speicher entnehmen.

Insider-Tipp: AC-Ladung im Winter. Das Norddach liefert bei diffusem, bewölktem Wetter oft einen konstanten Grundertrag. Dank des Setups konnten wir diesen AC-Überschuss vom Norddach nutzen, um unsere Batterie zu laden – ein unschätzbarer Vorteil an grauen Tagen!

➡️Einen Beitrag mit detaillierter Beschreibung wie man diesen AC-Überschuss in einen vorhandenen Speicher geladen bekommt, habe ich hier verfasst: 🔗Zwei PV-Wechselrichter parallelschalten und AC-Überschuss effektiv in den Speicher laden

Die Wirtschaftlichkeit: Reale Ersparnisse im Härtetest

Da der Strom im Hausnetz zusammenfließt, lässt sich nicht millimetergenau trennen, welches Elektron von welchem Dach kommt. Wir nutzen daher den gemessenen Ertragsanteil: Das Norddach hat 74 % des neuen, zusätzlichen Stroms generiert (4.923 kWh von 6.640 kWh). Mit diesem gewichteten Schlüssel von 74 % rechnen wir die Ersparnisse ab.

Bei einem Strompreis von 31 Cent/kWh und einer Einspeisevergütung von 6,95 Cent/kWh sieht die ehrliche Bilanz wie folgt aus:

PostenPrognostizierte ErsparnisReale Ersparnis (Ist)Differenz
Eigenverbrauch (Haus)280,55 €284,58 €+4,03 €
E-Mobilität (Wallbox)112,00 €11,20 €-100,80 €
Einspeisevergütung279,18 €277,17 €-2,01 €
Gesamtergebnis671,73 €572,95 €-98,78 €

Warum fehlen am Ende knapp 100 Euro?

Das finanzielle Defizit liegt nicht am Norddach selbst, sondern an der E-Mobilität. Geplant war, ca. 200 kWh Solarstrom zusätzlich in unser E-Auto zu laden. Tatsächlich wurden es nur mickrige 20 kWh.

Das Jahr war fahrtechnisch untypisch: Im Sommer (wenn das Norddach Spitzenwerte liefert) stand das Auto viel. Im Winter wurde zwar viel geladen, aber da schaffte das Norddach wegen der tiefstehenden Sonne in der Spitze kaum Leistung (z.B. nur 700 W Peak im April im Vergleich zu fast 4 kW Peak im Juni).

Fazit nach 12 Monaten: Lohnt sich das Norddach?

Das Fazit nach dem ersten vollen Betriebsjahr fällt trotz der E-Auto-Delle positiv aus! Die Anlage macht genau das, was sie soll.

Wer ein Norddach plant, sollte drei Dinge mitnehmen:

  1. Erwartungen anpassen: Die PVGIS-Prognosen stimmen. Wer richtig rechnet, wird nicht enttäuscht.
  2. Die Mischung macht’s: In Kombination mit einem Süddach und einem Speicher stützt das Norddach vor allem den Direktverbrauch und fängt diffuses Licht hervorragend auf.
  3. E-Auto-Ladung optimieren: Um das Maximum finanziell herauszuholen, muss im Sommer konsequent geladen werden, wenn die Nordseite ihre Peaks hat.

Wie läuft das bei euch? Habt ihr ähnliche Abweichungen zwischen Prognose und Realität bei euren PV-Anlagen gemerkt? Nutzt das Kommentarfeld unten, ich bin gespannt auf eure Daten!

📹 Das vollständige Video kannst du dir hier anschauen: 🔗Video

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