Photovoltaik auf einem Norddach gilt noch immer als umstritten. Während die einen davon abraten, sehen andere gerade in Kombination mit einer bestehenden Südanlage interessante Möglichkeiten.
Wir haben es ausprobiert.
Unsere 10,9-kWp-Photovoltaikanlage auf dem Norddach hat ihr erstes vollständiges Betriebsjahr hinter sich. Zeit für eine ehrliche Bilanz: Wie viel Strom hat die Anlage tatsächlich produziert? Wie nah lag der reale Ertrag an unserer ursprünglichen PVGIS-Prognose? Was hat sich beim Eigenverbrauch und beim Netzbezug verändert – und wie viel Geld hat uns die Anlage tatsächlich eingespart?
Unsere Norddachanlage im Überblick
Bevor wir uns die Zahlen anschauen, hier noch einmal die wichtigsten technischen Daten:
- Module: 24x Jinko Neostar 2S Plus (je 455 Wp)
- Gesamtleistung: 10,92 kWp
- Wechselrichter: Kostal Plenticore Plus 10 kW (Generation 2)
- Inbetriebnahme: Ende 2024
- Betrachtungszeitraum: Kalenderjahr 2025

Die Anlage ergänzt unsere bereits vorhandene Photovoltaikanlage auf der Südseite.

Kostal Plenticore Plus 7.0
Prognose vs. Realität: Wie viel Strom liefert ein Norddach?
Vor der Installation hatten wir die erwartete Jahresproduktion mit 🔗PVGIS simuliert.
Für unseren Standort, die Dachneigung und die installierte Leistung ergab sich eine Prognose von: 5.122 kWh pro Jahr
Nach dem ersten vollständigen Betriebsjahr konnten wir die Prognose nun mit echten Messwerten vergleichen. Die tatsächlichen Daten stammen aus dem Kostal Solarportal.
Damit hat unsere Norddachanlage im ersten vollständigen Betriebsjahr 4.923 kWh erzeugt.
Das sind rund 199 kWh beziehungsweise 3,9 Prozent weniger als ursprünglich prognostiziert.
Für unsere konkrete Anlage liegt der tatsächliche Ertrag damit erstaunlich nah an der ursprünglichen Prognose. Natürlich kann ein einzelnes Jahr nicht beweisen, dass eine Prognose über viele Jahre exakt eingehalten wird – Wetter und Sonneneinstrahlung unterscheiden sich von Jahr zu Jahr. Für uns zeigt das erste Betriebsjahr aber eindeutig: Die erwartete Größenordnung des Norddachertrags war realistisch.
Einordnung über den spezifischen Ertrag (kWh/kWp):
Um den Ertrag unabhängig von der Anlagengröße vergleichbar zu machen, lohnt sich der Blick auf den spezifischen Ertrag. Bei unserer 10,92-kWp-Anlage ergibt sich für das erste Betriebsjahr:
- Prognose (PVGIS): 469 kWh/kWp (5.122 kWh / 10,92 kWp)
- Realer Ertrag (Ist): 451 kWh/kWp (4.923 kWh / 10,92 kWp)
Mit 451 kWh pro installierte kWp zeigt das Norddach eine solide Leistung. Zum Vergleich: Optimal ausgerichtete Süd-Anlagen erreichen in Deutschland oft Werte zwischen 900 und 1.100 kWh/kWp. Das Norddach liefert bei uns also etwa 45 % des Ertrags einer perfekten Süd-Ausrichtung – ein sehr reeller Wert für ein reines Norddach.
➡️Wie wir ursprünglich auf die Idee mit dem Norddach gekommen sind und welche Erwartungen wir vor der Installation hatten, haben wir bereits im Beitrag 🔗PV-Erweiterung auf dem Norddach: Verrückt oder genial? beschrieben.
Wie verändert das Norddach unseren Stromverbrauch?
Interessant wird es jetzt beim Blick auf die gesamte Photovoltaikanlage.
Unsere Gesamtanlage besteht aus der bestehenden Südanlage und der neuen Norddachanlage. Deshalb vergleichen wir das Jahr 2024 – also noch ohne Norddach – mit dem Jahr 2025.
| Metrik (Gesamtanlage) | Jahr 1 (Nur Süd) | Jahr 2 (Süd + Nord) | Differenz |
| Gesamter PV-Ertrag | 9,20 MWh | 15,84 MWh | +6.640 kWh |
| Netzeinspeisung | 4,00 MWh | 9,47 MWh | +5.390 kWh |
| Eigenverbrauch gesamt | 5,12 MWh | 6,38 MWh | +1.260 kWh |
| Hausverbrauch gesamt | 6,59 MWh | 7,49 MWh | +900 kWh |
| Netzbezug | 1,63 MWh | 1,31 MWh | -320 kWh |

Der gesamte PV-Ertrag ist damit um 6.640 kWh gestiegen.
Davon stammen 4.923 kWh direkt aus der neuen Norddachanlage. Das entspricht rund 74 Prozent des zusätzlichen PV-Ertrags.
Gleichzeitig ist unser Stromverbrauch im Haus um etwa 900 kWh gestiegen. Trotzdem konnten wir den Netzbezug um 320 kWh reduzieren.
Das ist für uns einer der interessantesten Effekte der zusätzlichen PV-Leistung.
Mehr direkter PV-Verbrauch und mehr Batterienutzung
Noch deutlicher wird die Veränderung beim Blick auf die Art und Weise, wie wir den Solarstrom genutzt haben.

Der direkte PV-Verbrauch ist von 2,98 MWh im Jahr 2024 auf 4,10 MWh im Jahr 2025 gestiegen.
Das entspricht: +1.120 kWh direkt selbst verbrauchtem Solarstrom.
Auch die aus dem Batteriespeicher entnommene Energiemenge ist gestiegen:
- 2024: 1,98 MWh
- 2025: 2,09 MWh
- Veränderung: +110 kWh
Ein Teil dieses Effekts hängt auch mit unserem Setup zusammen: Durch die zusätzliche Norddachanlage konnten wir in bestimmten Situationen Solarstrom über den AC-Weg in den Batteriespeicher laden.
Gerade bei diffusem Wetter interessant
Bei bedecktem Himmel und diffuser Sonneneinstrahlung kann sich das Ertragsverhalten der beiden Dachseiten deutlich unterscheiden. In solchen Situationen liefert die Nordseite zwar insgesamt weniger Energie als eine optimal ausgerichtete Südseite, kann aber trotzdem einen zusätzlichen Ertrag liefern, der ohne die Nordanlage nicht vorhanden wäre.
Für unser konkretes System bedeutet das: An manchen Tagen konnten wir den zusätzlichen AC-Ertrag des Norddachs nutzen und damit unseren Batteriespeicher laden.
➡️Einen Beitrag mit detaillierter Beschreibung wie man diesen AC-Überschuss in einen vorhandenen Speicher geladen bekommt, habe ich hier verfasst: 🔗Zwei PV-Wechselrichter parallelschalten und AC-Überschuss effektiv in den Speicher laden
Was bringt das Norddach finanziell?
Jetzt kommen wir zum wahrscheinlich interessantesten Punkt: der tatsächlichen finanziellen Wirkung.
Dabei gibt es allerdings eine wichtige Einschränkung: Wir können nicht separat messen, welcher Anteil des Eigenverbrauchs oder der Einspeisung ausschließlich auf die Norddachanlage zurückzuführen ist.
Süd- und Nordanlage arbeiten gemeinsam mit unserem Hausnetz. Deshalb lässt sich nicht für jede verbrauchte Kilowattstunde eindeutig sagen, von welchem Dach sie stammt.
Was wir dagegen exakt kennen, ist der gemessene Ertrag der Nordanlage: 4.923 kWh.
Für die folgende Rechnung ordnen wir deshalb den zusätzlichen Effekt der Gesamtanlage anteilig dem Norddach zu. Der Anteil der Nordanlage am zusätzlichen PV-Ertrag beträgt rund 74 Prozent.
Die folgenden Werte sind daher berechnete Zuordnungen und keine separat gemessenen Norddach-Ersparnisse.
Für die Wirtschaftlichkeitsrechnung wurden die zusätzlichen Erträge anteilig dem Norddach zugeordnet. Grundlage sind die exakten Messwerte aus dem Solarportal, weshalb kleine Abweichungen zu den gerundeten Tabellenwerten möglich sind.
Unsere ursprüngliche Planung und das tatsächliche Ergebnis
| Posten | Prognostizierte Ersparnis | Reale Ersparnis (Ist) | Differenz |
| Eigenverbrauch (Haus) | 280,55 € | 284,58 € | +4,03 € |
| E-Mobilität (Wallbox) | 112,00 € | 11,20 € | -100,80 € |
| Einspeisevergütung | 279,18 € | 277,17 € | -2,01 € |
| Gesamtergebnis | 671,73 € | 572,95 € | -98,78 € |

Beim zusätzlichen Eigenverbrauch lagen wir damit sogar leicht über unserer ursprünglichen Planung.
Bei der Einspeisung liegen Prognose und Realität ebenfalls sehr dicht beieinander.
Der große Unterschied entsteht bei der E-Mobilität.
Für den normalen Haushaltsverbrauch rechnen wir mit 31 ct/kWh. Für die E-Mobilität verwenden wir dagegen einen anderen Ansatz: Wir vergleichen die geladenen Kilowattstunden mit den Kosten eines Verbrenners. Bei einem angenommenen Verbrauch von 8 l/100 km und einem Kraftstoffpreis von 1,70 €/l ergeben sich bei 24 kWh/100 km rechnerisch rund 0,56 €/kWh.
Warum fehlen am Ende knapp 100 Euro?
Unsere ursprüngliche Planung ging davon aus, dass wir etwa 200 kWh zusätzlichen Solarstrom in unser Elektroauto laden könnten.
Das hätte nach unserer damaligen Berechnung eine zusätzliche Einsparung von 112 Euro bedeutet.
Tatsächlich wurden es im Jahr 2025 aber nur: 20 kWh
Damit wurden aus den erwarteten 112 Euro lediglich 11,20 Euro.
Der Grund lag nicht in der Leistung der Norddachanlage, sondern schlicht in unserem Fahrverhalten.
2025 war für uns ein eher untypisches Jahr. Während das Auto im Sommer – also genau in der Zeit, in der die Norddachanlage ihre höchsten Tagesleistungen erreicht – vergleichsweise wenig bewegt wurde, lag der Ladebedarf teilweise in den Wintermonaten.
Damit hat sich unsere ursprüngliche Annahme zur E-Mobilität schlicht nicht erfüllt.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum eine Wirtschaftlichkeitsberechnung einer PV-Anlage immer auch vom individuellen Verbrauchsverhalten abhängt.
Wie wirtschaftlich ist das Norddach wirklich?
Setzt man die reale Ersparnis von 572,95 € ins Verhältnis zur erzeugten Strommenge, hat uns jede erzeugte Norddach-Kilowattstunde im ersten Jahr eine tatsächliche Ersparnis von rund 11,6 Cent gebracht (572,95 € / 4.923 kWh).
Rechnet man das auf die installierte Leistung um, erwirtschaftete die Anlage 52,47 € pro kWp im Jahr (572,95 € / 10,92 kWp). Trotz des Dämpfers bei der E-Mobilität zeigt das: Das Norddach ist kein Verlustgeschäft, sondern liefert einen messbaren Beitrag zur Amortisation der Gesamtanlage.
Norddach-Ertrag im Jahresverlauf
Ein interessanter Punkt zeigt sich auch beim Blick auf die maximalen Leistungen.
Im April erreichte die Nordseite in unserem System beispielsweise nur etwa 700 W Peak, während im Juni Spitzenwerte von knapp 4 kW erreicht wurden.
Das macht deutlich: Ein Norddach ersetzt keine optimal ausgerichtete Südseite. Seine Stärke liegt vielmehr darin, zusätzliche Dachfläche für Solarstrom zu nutzen und damit insbesondere in Kombination mit einer bestehenden Anlage weitere Erzeugungskapazität bereitzustellen.
Unser Fazit nach einem Jahr Norddach
Nach zwölf Monaten fällt unsere Bilanz insgesamt positiv aus.
Unsere 10,9-kWp-Norddachanlage hat im ersten vollständigen Betriebsjahr 4.923 kWh Strom erzeugt. Damit lag der tatsächliche Ertrag nur etwa 3,9 Prozent unter der ursprünglichen PVGIS-Prognose von 5.122 kWh.
Noch interessanter ist für uns aber die Wirkung auf das Gesamtsystem:
- Der PV-Ertrag der Gesamtanlage stieg um 6.640 kWh.
- Unser direkter PV-Verbrauch stieg um 1.120 kWh.
- Die Nutzung des Batteriespeichers nahm um 110 kWh zu.
- Unser Hausverbrauch stieg um 900 kWh.
- Trotzdem sank unser Netzbezug um 320 kWh.
Die ursprüngliche wirtschaftliche Planung wurde vor allem deshalb verfehlt, weil wir deutlich weniger Solarstrom in unser Elektroauto laden konnten als angenommen.
Das Norddach selbst hat dagegen ziemlich genau das gemacht, was wir von ihm erwartet hatten.
Drei Erkenntnisse aus unserem ersten Norddach-Jahr
1. Ein Norddach muss nicht automatisch unwirtschaftlich sein.
Entscheidend sind Dachfläche, Ausrichtung, Neigung, Anlagenkosten, Stromverbrauch und das gesamte Energiesystem. Unsere Anlage hat im ersten Jahr knapp 4.923 kWh erzeugt.
2. Die Kombination mit einer bestehenden Südanlage kann interessant sein.
Das Norddach bringt zusätzliche Erzeugung und kann unser Gesamtsystem auch bei Bedingungen ergänzen, bei denen die Südanlage weniger produziert.
3. Die Nutzung des Solarstroms ist mindestens genauso wichtig wie seine Erzeugung.
Unsere größte Abweichung von der ursprünglichen Planung entstand nicht beim PV-Ertrag, sondern beim Verbrauch: Wir konnten deutlich weniger Solarstrom für das Elektroauto nutzen als geplant.
Und genau deshalb ist unser erstes Jahr mit der Norddachanlage für uns vor allem eines: ein sehr interessanter Praxistest.
Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr ebenfalls eine PV-Anlage auf der Nordseite und könnt reale Ertragsdaten beisteuern? Schreibt eure Erfahrungen gerne in die Kommentare.
Das komplette Video zum ersten Betriebsjahr
Wer die Auswertung lieber im Video sehen möchte, findet hier unseren vollständigen Jahresrückblick: „Nach 1 Jahr Norddach Photovoltaik – Mehr Ertrag als gedacht?“
Auf meinem YouTube-Kanal Haus und Technik findet ihr außerdem weitere Videos rund um Photovoltaik, Speicher, Wallbox und Haustechnik.





