Anbieterwechsel im Glasfasernetz: Deutsche Glasfaser vs. 1&1 im Praxis-Check

Wer einen Glasfaseranschluss besitzt, genießt in der Regel bereits stabiles und schnelles Internet. Doch was passiert, wenn man den Anbieter wechselt? Ich habe den Schritt gewagt und bin von der Deutschen Glasfaser zu 1&1 gewechselt. Der Grund war schlichtweg das bessere Gesamtpaket, da 1&1 attraktive Bundles inklusive Mobilfunk anbietet.

💡Mein Erfahrungsbericht bezüglich 1 Jahr UniFi Ökosystem findest du hier: Ein Jahr ohne Fritzbox: Meine Erfahrungen mit Ubiquiti UniFi im Heimnetzwerk

Doch Achtung: Ein solcher Providerwechsel bringt im Hintergrund massive technische Änderungen mit sich. Während der physische Anschluss unangetastet bleibt, ändert sich bei der Konfiguration deines Gateways fast alles. Von Plug-and-Play mit DHCP geht es rüber zu PPPoE mit VLAN-Tagging. Warum mein bisheriges IPv6-only-Setup plötzlich streikte und wie mein neues VPN-Konzept aussieht, erfährst du in diesem Erfahrungsbericht.

Die Hardware-Topologie: FTTH bleibt FTTH

Die wichtigste Nachricht vorweg: Für den Wechsel ist kein Techniker vor Ort nötig und an der physischen Verkabelung im Haus ändert sich absolut nichts.

Die grundlegende FTTH-Topologie (Fiber to the Home) bleibt identisch:

  1. Das optische Signal kommt über die Glasfaserleitung von draußen im Hausübergabepunkt (HÜP) an.
  2. Von dort geht es weiter in den ONT (Optical Network Termination), das eigentliche Glasfasermodem. Hier wird das Lichtsignal in ein elektrisches Signal umgewandelt.
  3. Vom ONT führt ein ganz normales LAN-Kabel in das eigene Gateway – in meinem Fall in das UniFi Cloud Gateway Ultra (eine Fritz!Box funktioniert hier aber ganz genau so).

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Die technischen Unterschiede: DS-Lite vs. Echter Dual-Stack

Auch wenn die Kabel gleich bleiben – das Protokoll auf der Leitung ändert sich fundamental. Die folgende Tabelle zeigt die gravierenden Unterschiede zwischen den beiden Providern:

Während die Deutsche Glasfaser auf echtes Plug-and-Play setzt (Kabel rein, das Gateway zieht sich die IP per DHCP, fertig), verlangt 1&1 klassische Einwahldaten. Zudem musst du im UniFi-Controller zwingend das VLAN-Tagging mit der ID 7 aktivieren, da sonst überhaupt keine PPPoE-Verbindung zustande kommt.

Das IPv6-only-Setup stirbt: Umbau auf DDNS mit Cloudflare

Da die Deutsche Glasfaser über DS-Lite keine öffentliche IPv4-Adresse bereitstellt, hatte ich mein gesamtes Heimnetzwerk auf ein IPv6-only-Setup umgestellt. Meine Server und Smart-Home-Dienste waren über eine eigene Domain via IPv6 aus dem Internet erreichbar. Das funktionierte wunderbar, da der IPv6-Präfix der Deutschen Glasfaser extrem stabil war.

Glasfaser Server und Dienste umstellen von IPv6 auf IPv4

Mit dem Wechsel zu 1&1 änderte sich das komplett: 1&1 vergibt zwar eine echte öffentliche IPv4-Adresse, würfelt dafür aber sowohl die IPv4 als auch den IPv6-Präfix alle 24 Stunden bei der Zwangstrennung komplett neu.

Die Rettung: Native Cloudflare-Integration in UniFi

Um die täglich wechselnde IP-Adresse abzufangen, ist ein Dynamic DNS (DDNS) unumgänglich. Hier bietet das UniFi Cloud Gateway Ultra einen genialen Vorteil: Eine native Integration von Cloudflare.

Da meine Domain ohnehin bei Cloudflare liegt, war die Einrichtung in wenigen Minuten erledigt. Das UniFi Gateway meldet jede neue IP-Adresse nach der Zwangstrennung über einen sicheren API-Token direkt an Cloudflare. Dort wird die Adresse vollautomatisch mit dem passenden A-Record verknüpft.

WireGuard-VPN: Umzug von Proxmox direkt ins UniFi-Gateway

Mein bisheriges VPN basierte auf einem eigenständigen WireGuard-Server samt Dashboard innerhalb meiner Proxmox-Umgebung – komplett auf IPv6-Basis.

💡Details zur bisherigen VPN Lösung mit WireGuard und WGDashboard habe ich hier beschrieben➡️: Video

Durch die neue Netzarchitektur habe ich das VPN-Konzept komplett umgestellt und den WireGuard-Server direkt auf das UniFi Cloud Gateway Ultra verlagert.

Ubiquiti UniFi Cloud Gateway Ultra

Das bringt in der Praxis unschlagbare Vorteile:

  1. Automatisches Routing: UniFi übernimmt das komplette Routing und die Erstellung der Firewall-Regeln im Hintergrund.
  2. Keine IPv6-Sackgassen mehr: Im alten Setup stand ich oft vor dem Problem, dass ich mich von unterwegs (z. B. aus einem Hotel-WLAN oder dem Mobilfunknetz) nicht mit meinem Heimnetzwerk verbinden konnte, weil das fremde Netz schlichtweg kein IPv6 unterstützte.

Dank der echten, öffentlichen IPv4-Adresse von 1&1 funktioniert der WireGuard-Tunnel nun absolut überall und verbindet mich stabil mit meinen heimischen Diensten.

Fazit: Lohnt sich der Wechsel zu 1&1?

Unterm Strich ist der Wechsel für mich ein riesiger Gewinn. Ja, der Umbau des Netzwerks im Hintergrund – das Umstellen von IPv6-Firewall-Regeln auf klassisches IPv4-Port-Forwarding und der VPN-Umzug – war mit einigem Aufwand verbunden.

Dafür läuft das System nun dank echtem Dual-Stack, sauber integriertem WireGuard-VPN und der dynamischen DNS-Auflösung via Cloudflare extrem performant und ist flexibler erreichbar als je zuvor. Wer vor einem ähnlichen Umstieg steht, muss vor der Technik keine Angst haben – der Aufwand lohnt sich definitiv!

Welchen Provider nutzt du für deinen Glasfaseranschluss? Setzt du noch auf DS-Lite oder hast du auch schon den Vorteil eines echten Dual-Stacks schätzen gelernt? Schreib es mir gerne unten in die Kommentare!

📹 Das vollständige Video kannst du dir hier anschauen: 🔗 Video

Gerne darfst du natürllich auch meinen YouTube Kanal ➡️ „Haus und Technik“ besuchen. Dort findest Du weitere spannende Inhalte. Ich würde mich freuen! 😊

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